Störfeuer

Der Monat April darf an den globalen Finanzmärkten als freundlich bezeichnet werden. Insbesondere die Aktienindizes in Japan und Europa legten um 4 bis 5 % zu. Der Preis für Rohöl stieg auf ein neues 3-Jahres-Hoch. Auch die Renditen der wichtigsten Staatsanleihen legten weiter zu. Im Fall 10-jähriger Bundesanleihen stiegen die Renditen ungefähr auf das Niveau von vor drei Jahren, bei 10-jährigen US-Treasuries wurde bereits das Niveau von 2013 erreicht. Insgesamt herrscht eine robuste Konjunktur vor, welche so manchen protektionistischen Angriff wegzustecken vermag. In diesem positiven Gesamtmarkt ging die implizite Volatilität weiter in Richtung der Werte vom Jahresanfang zurück.

Wie schon in den Vormonaten kamen zahlreiche Störfeuer von politischer Seite. Und schon wieder bestimmte der Twitter-Account von US-Präsident Donald Trump die Schlagzeilen. Der Ton im Handelsstreit mit China hat sich deutlich verschärft; beide Seiten beschäftigen gerade die WTO. Die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran hat unter den westlichen Partnern für erhebliche Unruhe gesorgt und wird es auch in naher Zukunft weiterhin tun. Das vorläufige Einlenken Nordkoreas im Atomstreit sorgte zumindest für etwas Entspannung.

Mit den Russen wagte man durch einen massiven Raketenangriff in Syrien einen gefährlichen Waffengang. Die Aufregung darüber war in der ganzen Welt zunächst groß. Allerdings verflog der Rauch der Angriffsnacht so schnell, dass die internationalen Börsen ohne größere Störung eröffnen konnten. Unterm Strich konnte Trump dennoch die höchsten Popularitätswerte seit Amtsantritt verbuchen.

Dagegen landeten die Amerikaner mit Sanktionen einen schweren Treffer gegen die Russen: Mit sieben russischen Industriemagnaten, zwölf Unternehmen, 17 führenden Regierungsbeamten – die meisten aus dem unmittelbaren Vertrauenskreis von Präsident Putin – wurde der Handel verboten, wurden Konten eingefroren und Börsennotierungen eingestellt. Beispielsweise gibt es für die Aktien des milliardenschweren Aluminiumproduzenten Rusal seit Anfang April keinen Preis und keinen Handel in Europa, Hong Kong oder den USA mehr. Bloomberg liefert nicht einmal mehr die üblichen Finanzkennzahlen. Die Aktien verloren an der russischen Börse zeitweise die Hälfte ihres Preises. Weitere Unternehmen und die Landeswährung wurden von dem überraschenden Schritt mitgerissen. Die nationalen Aktienindizes verloren am ersten Tag nach Ankündigung der Maßnahmen rund 10 % ihres Wertes.

Viel Lärm um nichts, sagen die meisten Marktteilnehmer und kehrten rasch zum Alltag zurück. Allerdings wird hier durchaus mit scharfen Waffen hantiert. Die schärfsten Waffen liegen dabei nicht immer in den besonnensten Händen. Für die Zukunft der Märkte wird entscheidend sein, dass keiner der Konflikte eskaliert. Vor allem dürfen das geopolitische Chaos und Gemetzel in Syrien nicht auf die Region übergreifen oder der Welthandel ins Stottern geraten.

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