Rutsch beim Ölpreis

 

Die globalen Finanzmärkte tendierten im November seitwärts. Sowohl Zinsmärkte als Aktien notierten auf Monatssicht nahezu unverändert.

Einen deutlichen Abschwung erfuhrt der Preis für Rohöl, welcher sich von seinem Jahreshoch per Anfang Oktober um rund 30% ermäßigte und schließlich zeitweise uns USD 50 pro Faß notierte. Gab es einen politischen oder wirtschaftlichen Schock, welcher den drastischen Wechsel des Ölpreises von Jahreshoch auf Jahrestief innerhalb weniger Wochen erklären könnte? Nein, vielmehr wurden die Marktteilnehmer von einer unerwarteten Häufung kleinerer Ereignisse überrascht, welche den Ölpreis belasteten.

Zunächst wurden Rekord-Produktionszahlen aus den USA bekannt. Die Schieferöl-Produzenten können offensichtlich bei einer Ölpreiserholung sehr schnell ihren Output erhöhen und haben ihre Produktivität so weit gesteigert, dass sie bereits ab einem Ölpreis von USD 50 pro Faß mit nennenswertem Volumen in die Gewinnzone kommen.

Daneben hat US-Präsident Trump eine weitere Eskalation im internationalen Handelsstreit provoziert, was weltweit die Konjunkturerwartungen dämpft. Gleichzeitig hat er die Sanktionen gegen Iran gelockert, so dass Iran weit mehr Öl als bis zu diesem Zeitpunkt angenommen exportieren kann. Zielten die Sanktionen zunächst auf einen kompletten Export-Stop, ermöglicht die Öffnung der Sanktionen für die beiden größten Kunden (Indien und China) eine Fortführung des Exportes in Höhe von ca. 60% des bisherigen Niveaus.

Die Führung des größten OPEC-Land Saudi-Arabien hat sich auf der politischen Bühne durch seine tiefe Verstrickung in die Kashoggi-Affäre diskreditiert. Die fehlende Führungsrolle Saudi Arabiens hemmt die Handlungsfähigkeit des Kartells. Unabhängig davon verschieben sich die Marktanteile ohnehin aus der OPEC heraus. Ohne Abstimmung mit Russland lässt sich der Ölpreis kaum noch beeinflussen, zumindest wenn man nicht gleich noch mehr Marktanteile verlieren möchte. Und nun verlässt auch noch Katar die OPEC. Der Zwergstaat fördert zwar weniger als 1% der weltweiten Ölproduktion, ist aber immerhin der weltgrößte Anbieter von Erdgas.

 

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