Dolce Vita

Die Finanzmärkte entwickelten sich im Mai recht uneinheitlich. Während die US-Märkte Stärke zeigten, ging es andernorts zumeist abwärts.

Die Konjunktur in den USA liegt klar auf Wachstumskurs. Auch ohne US-Steuersenkung wären Umsätze und Margen der US-Unternehmen bereits deutlich gewachsen. Die US-Preissteigerungsraten sind weiterhin auf dem Vormarsch, was den Weg für weitere Maßnahmen zur Normalisierung der US-Geldpolitik ebnet. Die Fed reagiert bislang aber recht zurückhaltend. Sie akzeptiert laut eigener Aussage nach der langen Zeit (zu) niedriger Inflationsraten nun für eine gewisse Zeit höhere Messwerte.

Die starke US-Konjunktur trifft auf volkswirtschaftliche Warnsignale aus Europa. Die schwierige Regierungsbildung in Italien und die wirtschaftsfeindlichen Thesen der politischen Protagonisten lassen die Zinsspreads nach oben schießen. Dementsprechend legte die Rendite für 10-jährige italienische Staatsanleihen im letzten Monat um einen ganzen Prozentpunkt zu. In Italien handelt es sich – im Gegensatz zu den USA – allerdings nicht um einen Ausdruck volkswirtschaftlicher Stärke und zunehmenden Inflationsdrucks. Im Gegenteil, Italien schleppt sich nur sehr langsam aus der Finanzkrise heraus. Die Gesamtarbeitslosigkeit kam zuletzt leicht zurück, liegt aber noch immer fast doppelt so hoch wie im Jahr 2007. Die wirtschaftliche Aktivität hat zuletzt sowohl im Investitions- als auch im Konsumbereich zugenommen, aber der Trend ist noch nicht stark und der Bankensektor gilt weiterhin als marode.

Folglich kann sich Italien keine volkswirtschaftlichen Abenteuer leisten. Und sein Gewicht ist in der EU gewaltig. Die griechische Volkswirtschaft hat im Vergleich eher Symbolcharakter. Eine akute Wirtschaftskrise in Italien ist derzeit noch nicht abzusehen, könnte aber für den gesamten Euroraum gefährlich werden. Kein Wunder also, wenn der Euro zum US-Dollar deutlich auf Talfahrt geht, was zumindest für die europäischen Exportnationen einen positiven Effekt hätte.

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